Muss das wirklich sein?

Manchmal frage ich mich, was für ein Verhältnis manche Menschen von geschichtlichen Zusammenhängen haben. Neulich fing auf der Arbeit eine Kollegin an, die Trümmerfrauen nach Ende des zweiten Weltkrieges zu bejammern. Und innerlich dachte ich mal wieder: Oh! Die armen Frauen! Die Männer haben einen Krieg angezettelt! Haben alles zerstört! Und nun mussten die armen Frauen alles wieder aufbauen! Und mir wurde mal wieder so schlecht: Ein typisches Beispiel von Täter-Opfer-Umkehr! Sowas wie Krieg oder Massenmord, was ja unwiderlegbar in der NS-Zeit stattfand, war ja nicht das Werk eines einzelnen Menschen oder einer kleinen Gruppe von Menschen. Dies lässt sich auch bezüglich dessen behaupten, was man in den Geschichtsbüchern unter dem Stichwort Machtergreifung findet. Und natürlich wurde in dieser Zeit auch die krude politische Ideologie, die die Machthaber in der NS-Zeit vertraten, von mehr als nur von einer Handvoll Menschen geteilt. Und dies betrifft natürlich auch Frauen. Und vor allem auch diejenigen Frauen, die man kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges als Trümmerfrauen bezeichneten. Sie haben ein unmeschliches System mit gestützt, welches einen Krieg anzettelte und diesen sogar verlor! Und wenn man ein System stützt, welches ein Krieg anzettelt und verliert, muss man mit den Konsequenzen leben, mit ihnen zurechtkommen und sich zuletzt auch der Verantwortung stellen. Dass meine Kollegin in diesem Fall das Verhältnis von Opfer und Täter verdrehte, entzieht sich völlig meines Verständnisses. Und besonders schwer fand ich es, halbwegs logisch gegen diese Auffassung anzuargumentieren. Wohl auch, weil sich bei ihr das gesellschaftliche Bild der schwachen Frau und des starken Mannes fest in das Denken einbrannte. Bekommt man solche Denkstrukturen überhaupt aufgebrochen?